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Volle Pulle!

Ramona Richter
Geschrieben von Ramona Richter

Der 25-Jährige Mittelstreckler Timo Benitz glänzte zuletzt bei der Hallen DM in Leipzig über 3.000m und landete hinter Richard Ringer und Florian Orth auf Platz Drei. Am kommenden Sonntag ist er in Pliezhausen beim internationalen Läufermeeting über 1.000m am Start. Anlass genug, den Jungen einmal näher unter die Lupe zu nehmen!

Auch Timo Benitz (LG farbtex Nordschwarzwald ) startet am kommenden Sonntag in Pliezhausen über eines seiner St(r)eckenpferde, den 1.000m.

Neben den 1.000m und 800m konnte Timo besonders aber über 1.500m und 3.000m Erfolge einheimsen.

2014 und 2016 wurde er über 1.500m Deutscher Meister und über die doppelte Distanz bei der Hallen DM 2016 Zweiter sowie im Februar diesen Jahres Dritter hinter Richard Ringer und Florian Orth.

Zwar gehört das Laufen normalerweise von Klein auf an dazu, aber nicht jeder rennt ohne gezieltes Lauftraining auch aus dem Stegreif vorne weg.

Bei der Crosslaufserie Hegau-Bodensee war ich nicht unbedingt aus eigenem Interesse am Start, konnte aber andere Läufer quasi ohne Lauftraining schlagen. Mein erster Trainer Bernd Lindenmayer hat mich dann gefragt, ob ich nicht bei seiner Gruppe mal vorbeischauen will.

Denn scheinbar schlummerte auffallendes Talent in den Genen des mittlerweile 25-Jährigen, das professionell an die Hand genommen werden musste.

Und diese lenkte ihn – gemäß seiner Stärken – auf die Mittelstrecke, an der Timo schließlich auch leidenschaftlich festhielt.

Wenn man eine Disziplin von Natur aus besser kann als manch anderer, macht sie automatisch mehr Spaß. Heute aber reizt mich mehr meinen Körper ans absolute Limit zu bringen.

Und dabei hat besonders der Kopf ein Wörtchen mitzureden:

Das Harte an den 800m und besonders an den 1500m ist nämlich, die Strecke im Kopf zu besiegen. Das heißt, dass du nie denken darfst ‚oh nein, immer noch 500m‘, sondern ‚oh nein, ich habe nur noch 500m Zeit, alles zu geben‘.

„Volle Pulle!“ lautet daher Timos Devise. Immer aufs Ganze!

Und dafür legt er und sein jetziger Trainer Jörg Müller im Training auf eine gute Grundlage, die man sich im Winter aneignet, um die die harten Einheiten im Sommer besser zu verkraften.

Aber nicht immer läuft es so, wie erhofft. Manchmal will man zwar mehr, aber erreicht nur weniger. Auch damit muss man umzugehen wissen.

Und das ist sicherlich einer Timos Stärken:

Ich bin immer ehrlich zu mir selbst. Etwas schönreden, mache ich eigentlich nie oder nur sehr ungern. Eine meiner Schwächen hingegen ist, dass ich nur selten mit mir zufrieden bin, obwohl ich das viel öfters sein müsste.

07.07.2016, xmhx, Leichtathletik, Europameisterschaft in Amsterdam 2016, emspor, v.l. Llorenc Sales (Spanien), Timo Benitz (Deutschland)

Denn sofern man stets alles gibt – was mit Timos „Volle Pulle“ der Fall ist -, kann man für sich sagen, dass man alles versucht hat, heute aber einfach nicht mehr drin war. Das muss man zuweilen akzeptieren und darf sich davon nicht herunterziehen lassen.

Ehrgeiz und unermüdlicher Kampfgeist darf die Umstände demnach nicht Außen vor lassen. Umstände, zu denen der eigene Körper, längerjährige Erfahrung der Mitstreiter oder ‚einfach mal ein schlechter Tag‘ gehört.

Leistungssportler sind auch nur Menschen und die Leistung darf nicht absolut im Raum stehen, so wie auch Erfolg relativ ist und an einem selbst gemessen werden sollte.

Selbstkritik ja, aber nicht strenger Perfektionismus.

Nicht immer stimmt alles zu 100%. 100% ergibt sich manchmal erst mit der Zeit, deshalb lautet Timos zweite Devise: Never surrender! (Niemals aufgeben)

Eines muss allerdings stimmen bzw. schmecken: das Frühstück.

Ein gutes Frühstück ist für mich der beste Einstieg in den Wettkampftag. Nur wenn mir das Essen schmeckt, bin ich auch entspannt und kann meine Leistung abrufen. Am liebsten eine Brezel aus der Bäckerei aus meinem Heimatdorf. Kurz gesagt was schmeckt macht mich glücklich. Wenn ich was bestimmtes essen müsste, was aber nicht schmeckt, wäre der Wettkampftag eine zähe Geschichte…

Am Morgen des 14. Mais lässt sich hoffentlich eine ansatzweise vergleichbare Brezel auftreiben, damit den 1.000m nichts im Weg steht bzw. unschmackhaftes im Magen liegt.

Zwar sind es seltener 1.000m, die er im Wettkampf bestreitet, aber trainingstechnisch sieht die Vorbereitung jetzt nicht anders aus als sonst.

Nur die Rechnerei mit den Zwischenzeiten habe ich hier nicht, was ziemlich entspannt ist.

Auch wenn das Rennen am Ende gut läuft, steht ihm sein größter persönlicher Erfolg noch bevor: „…nämlich wenn ich mein Studium komplett geschafft habe.“ Eine zukünftige Absicherung ist ihm nämlich genauso wichtig, wie seine langfristigen Ziele im Sport.

Darunter fällt, irgendwann einen Marathon unter 2:20 Stunden zu laufen.

Und dafür wird schrittweise gekämpft und grundsätzlich nie aufgegeben!

An dieser Stelle wünschen wir Dir, Timo, nicht nur für den bevorstehenden Wettkampf in Pliezhausen viel Erfolg, sondern auch für deine auf lange Sicht gesteckten Ziele neben Gesundheit und Spaß, vor allem etwas mehr Gelassenheit und Einsicht, zufrieden mit sich sein zu können!

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