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Den einen Marathon nach Athen

Ramona Richter
Geschrieben von Ramona Richter

Kevin Ellison wollte seinen ersten Marathon laufen. Warum dann nicht gleich ganz klassisch die 42,195k von Marathon nach Athen?

Kevin Ellison ist nicht der typische Läufer, der unter der Woche fleißig Kilometer sammelt. Sein Profil ist eher der Hallenboden (Basketball) oder entspricht mehr dem Aggregatzustand „flüssig“ (Surfen).

Sportliche Extras verbindet Kevin lieber mit einem Erlebnis. Sie müssen schon einen gewissen Anreiz haben und ihn in irgendeiner Form faszinieren. So auch die Idee, einen Marathon zu laufen. Und warum dann nicht gleich den Klassiker nach Athen?

Wobei man dazu sagen muss, dass das im Vorwege so nicht geplant war…

Zufall?

Ja, ein glücklicher vielleicht, denn der Urlaub in Griechenland war schon gebucht. Dass der Marathon am 12. November ausgerechnet in diesen Zeitraum fiel, war ein überraschender aber letztendlich zwangsläufiger Stichtag, auf den sich Kevin vorbereitete.

Wie kam es zu der Idee?

Ich bin ein paar mal mit einem guten Freund – Moritz Dickentmann (ehemaliger Triathlet) – laufen gegangen, meistens um die Außenlaster (in Hamburg, Anm.d.Red.). Zu der Zeit befand er sich in der Vorbereitung für den Köln Marathon und hat mich in unserem ersten Lauf richtig nass gemacht. Das hat natürlich auch meinen Ehrgeiz geweckt. Und ein Marathon steht ja bei jedem Sportler auf der Bucketlist… Von daher…

Also googelte Kevin ein wenig im Netz und stellte fest, dass „der Authentische“ zufällig in seinen Urlaubszeitraum fällt!

Du hast drei Monate Zeit! Das Training für den Marathon läuft.

Aber reichen knapp drei Monaten für die Vorbereitung?

Unsportlich war er ja nicht. Zwar nicht durchweg der Läufer, aber eine gewisse Grundausdauer war vorhanden. Deshalb die Einschätzung von Moritz: “Sollte drin sein!“

Jetzt musste Kevin unter der Woche doch fleißig Kilometer sammeln.

Erstmal auf gewisse Distanzen kommen, war mir wichtiger als gezielte Intervalle. Alles ab Halbmarathon war für mich Neuland aber gleichzeitig auch eine sehr interessante Erfahrung. Ich hatte noch nie so eine Art Erschöpfung nach einem Lauf verspürt wie nach meinem ersten 30km-Lauf.

Man nehme stahlharte Waden, müde Sprunggelenke und einen ordentlichen Muskelkater.

Ich habe Muskelgruppen gespürt, die ich vorher nie im Krafttraining wahrgenommen habe. Beispielsweise unterhalb der Gesäßhöcker hat es sogar gezogen?! Aber es hat Spaß gemacht und die Motivation war größer, auch die Marathondistanz zu schaffen.

Besonders gereizt hat ihn einfach die Distanz und die körperliche Belastung. Zusätzlich hatte er nach seinen ersten 31 Kilometer das Ziel, seinen ersten Marathon unter vier Stunden zu laufen.

Aber der Kurs von Marathon nach Athen hat es in sich

Es ist eine sehr hügelige Strecke mit Steigungsabschnitten, die sich richtig lange ziehen bis km 31. Das hat mir neben großen Respekt natürlich schon auch Angst gemacht: Wie frisch werde ich auf dem letzten Viertel sein?Wenn man den gefürchteten „Mann mit dem Hammer“ ab Kilometer 30 berücksichtigt, könnte es eine durchaus harte Angelegenheit werden.

Der Abend vor dem Rennen

Der Tag vor dem Wettkampf war zugleich die Anreise nach Athen, nachdem meine Freundin und ich eine Peloponnes-Rundreise hinter uns hatten. Der Marathon fand also erst am Ende des Urlaubs statt. Ich war eigentlich sehr ruhig und in mich gekehrt und im Kopf die ganze Zeit bei meinem Knie.

Bei seinem letzten 30km-Lauf in Hamburg bekam Kevin nach 27 Kilometer nämlich Schmerzen. Auch bei einem kürzeren Lauf in Griechenland (wenige Tage vor dem Rennen) hatte er leichte Beschwerden. Das verunsicherte ihn natürlich. Wobei sich der Körper bei einem Marathon-Training selten nicht zu Wort meldet.

Am Ende wollte ich einfach nur ins Bett und versuchen, zu schlafen. Ich musste um ca. fünf Uhr raus, würde eine Kleinigkeit frühstücken, um dann den Shuttle-Bus im Zentrum Athens nach Marathon zu nehmen.

Der Tag des Marathons

Der Lauf fing super an. Der Plan war, die ersten zehn Kilometer etwas flotter anzugehen, bevor die Steigung einsetzt. Der Rat von einer guten Freundin (Kathi Nüser Anm. d. Red.) mich an eine Gruppe mit meiner Laufgeschwindigkeit zu hängen, habe ich befolgt und gleich einen älteren Herrn gefunden, der einen glatten 5:00 Minuten-Schnitt gelaufen ist.

Beide teilten sich die ersten zehn Kilometer, bis sich Kevin schließlich absetzte.

Ich hab mich gut gefühlt, alles war rund, das Knie hat sich noch nicht stark bemerkbar gemacht.

Die Steigungen lief er schließlich in einer 5:30er Pace an.

Ich wusste, ich müsste an den Anstiegen richtig arbeiten und mit diesem Mindset bin ich da auch rangegangen.

Der Halbmarathon ist geschafft

Jetzt folgten die schwierigsten Abschnitte des Rennens. Bis Kilometer 31 ging es immer leicht bergauf. 

Kevin hoffte auf eine Verpflegungsstation unmittelbar nach dem letzten Anstieg – vergebens. Er musste noch einen Kilometer dranhängen.

Da habe ich richtig gelitten. Ich wusste zwar, dass es ab hier flach ist und teils sogar abschüssig, aber die Erschöpfung und die Angst, im nächsten Moment von Krämpfen und Schmerzen eingeholt zu werden, machten es nicht unbedingt angenehmer.

Der Plan war, auf den letzten zehn Kilometern noch mal anzuziehen – „ordentlich ballern“ wie es Kathi Nüser und eine andere Freundin und Läuferin, Tabea Themann, ihn animierten.

Sorry, aber da kam einfach nichts mehr. Ich habe nur die Verpflegungsstation erreicht und bin tatsächlich das erste Mal stehen geblieben, um in 20-30 Sekunden alles reinzuschütten, was geht!

Ab Kilometer 37,38 fingen sie dann an – die Krämpfe. Immer mal wieder ein Stechen an willkürlichen Stellen des Körpers. Aber sie waren noch soweit erträglich, dass sie Kevin nicht vom Weiterlaufen abhielten konnten.

Ich wollte nicht ins Ziel gehen und schon gar nicht über vier Stunden!

Knappes aber stolzes Finish unter der Vier-Stunden-Marke.

Der Zieleinlauf

Ein Traum – das Stadion ist atemberaubend. Wenn man sich die Geschichte dazu vorstellt, alte Wettkämpfe, die Architektur wahrnimmt und schließlich die Menschenmenge einen applaudierend empfängt, vergisst man jegliches Leiden. Ich wusste, dass ich unter vier Stunden bleiben würde und konnte die letzten Meter mit hochgerissenen Armen einfach nur genießen.

Endlich im Ziel des sagenumwobenen Marathons in Athen

Das Besondere ist diese griechische Mythologie, jene Sagen, die zwar nicht direkt mit dem Marathon zu tun haben, aber irgendwie doch um einen geistern. Die Akropolis in Mitten der Stadt und die Götter bzw. Halbgötter die über einen Wachen. Das hat schon was ganz Besonderes.

Stolze Nachwehen

Für mich war es eine komplett neue Erfahrung und somit ein Ereignis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Auch, weil mich mein Körper noch Tage lang daran erinnerte. Die Treppen abwärts zur Bahn waren die Hölle…!

Also erst einmal kein Marathon mehr?

Ich weiß nicht, ob ich dieses Feld weiter ausbauen möchte. Aber mich reizt natürlich schon noch der direkte Vergleich des hügeligen Athen-Marathons mit einem flachen, schnellen Kurs. Wo und wann dieser stattfinden wird – who knows! Aber ich könnte mir es durchaus vorstellen.

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