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230km durch die Wüste – der Marathon des Sables

Ramona Richter
Geschrieben von Ramona Richter

Neues Jahr, neue Ziele? Wie wäre es mit einem Ultramarathon durch die Wüste der Sahara? Knapp 230Km verteilt auf sechs Etappen in sieben Tagen. Kann man machen… und Katja Hüneburg hat genau das vor!

Der Marathon des Sables ist der wohl härteste Ultralauf der Welt. Man hat sieben Tage Zeit, um insgesamt 230 Kilometer in der Saharawüste Marokkos zu sammeln. Verteilt auf sechs Etappen, von denen fünf zwischen 20 bis 40 Kilometer lang sind und eine stolze 80 Kilometer misst. Diese müssen die Läufer an einem Stück in knapp 40 Stunden hinter sich bringen.

Verpflegen muss sich jeder selbst, zumindest für Wasser (circa neun Liter je nach Etappenlänge) ist gesorgt. Erschwerend hinzu kommen wortwörtlich Schlafsack und alle sonstigen notwendigen Habseligkeiten, die die Läufer bei der siebentägigen Herausforderung brauchen. Deshalb wird alles genau abgewogen und nach Notwendigkeit (aus)sortiert.

Von den Must-Haves zu den Eckdaten von Katja

Katja Hüneburg ist in Berlin geboren und hat dort auch ihre halbe Kindheit verbracht. Da sich ihre Eltern bereits frühzeitig geschieden haben, lebte Katja ab ihrem vierten Lebensjahr mit ihrer drei Jahre älteren Schwester bei deren Mutter.

Seit ich denken kann, war meine Mutter sehr stark beruflich eingebunden, selten zu Hause und wir waren früh auf uns allein gestellt.

Katja ist jemand, der zwangsläufig für sich und andere Verantwortung übernehmen musste und darin heute auch ihre Berufung gefunden hat.

Nachdem sie nämlich im Oktober 2006 ein Fachhochschulstudium bei der Thüringer Polizei (Polizeikommissaranwärterin) begonnen hat, schloss sie dieses im Herbst 2009 erfolgreich ab und erfüllte sich damit ein Kindheitstraum: Polizistin sein!

Sie ist aufgrund der Schichtarbeit zwar sehr eingespannt, doch sie weiß, wie sie trotzdem allen Herzensangelegenheiten gerecht wird – und dazu zählen natürlich auch ihre sportlichen Hobbys.

„Ohne geht nicht!“

Sport ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Als ich sechs Jahre alt war, begann ich mit Leichtathletiktraining. Es hat mir riesig Spaß gemacht und ich war auch nicht untalentiert – Sportschule war sogar im Gespräch. Allerdings wollte ich von Klein auf immer Fußball spielen, was mir meine Mutter aber jahrelang nicht erlaubte.

Nach einem zweijährigen Umweg ging es mit zwölf Jahren schließlich vom Handball in den Fußballverein. Und schon da zeigte sich indirekt die Polizistin, denn neben dem Spielen griff Katja auch immer häufiger zur Trillerpfeife.

Als ich siebzehn Jahre alt war, sollte ich mich dann zwischen Fußballspielen und dem Schiedsrichtern entscheiden.

Die Wahl fiel auf Zweiteres, allerdings sollten die Fußballschuhe noch ein letztes Spiel herhalten.

Im Nachhinein war das keine gute Entscheidung, denn dabei habe ich mich schwer verletzt. Ich erlitt einen komplizierten Bruch im rechten Sprunggelenk und lag danach mehrere Wochen im Krankenhaus und war Monatelang in der Reha.

„Ich musste das Laufen wieder neu lernen.“

Aber das war nicht ihr einziges Problem…

Während dieser Verletzungszeit habe ich fast 15 Kilos zugelegt. Am Ende standen bei 180cm ein Gewicht von 90kg.

Während ihres Studiums fing sie dann regelmäßig mit dem Laufen an. Wobei sie das Laufen als Abwechslung zu ihren sonstigen sportlichen Aktivitäten auch schon damals für sich entdeckt hatte.

Eigentlich kommt auch nichts Vergleichbares an das Laufen heran. Man baut Alltagsstress ab, tankt neue Energie und macht ganz nebenbei kleine Erfolge, wenn man sieht, wie man sich in den Wochen steigert.

Es gab es auch kurze Abstecher zum Cross und zu den Obstacle-Läufen, allerdings bewährte sich am Ende doch das ‚reine Laufen‘ – nur die Streckenlänge nahm mit der Zeit zu.

„Eigentlich ist alles machbar…“

Die Harzüberquerung mit 51 Kilometern war bisher meine längste gelaufene Distanz. Aber ich habe über die Jahre gelernt, dass man eigentlich alles schaffen kann. Man muss einfach im Kopf frei sein. Man muss sich den Lauf gut einteilen, seinen Körper kennen und besonders auch während des Laufes auf ihn hören. Die Zielzeit ist mir gerade bei den Ultras zweitrangig.

Im Sommer 2016 meldete sich Katja schließlich für den Marathon des Sables 2018 an, nachdem ihr diese Idee bereits seit Jahren im Kopf und Herzen herumschwirrte.

Vor ca. 20 Jahren habe ich das erste Mal von diesem Lauf gehört. Bei Arte lief eine Reportage. Die Bilder, die Landschaft, die Läufer, das ganze Event haben mich derart geflasht, dass ich damals schon insgeheim beschloss, dort irgendwann selbst mitzulaufen.

„Typisch ich?“

Ja, ich habe meinen eigenen Kopf, ich lasse mir nur schwer in etwas reinreden. Manchmal ist das ein Segen, aber manchmal auch ein Fluch, weil die Meinung natürlich nicht jedem passt. Allerdings lebe ich nach dem Motto ‚man lebt nur einmal und dabei muss man sich selbst treu bleiben‘.

Wichtig ist Katja: Konsequenz (in allen Lebenslagen). Das hilft einem dabei, Prioritäten zu setzen. Nur wer grundlegend ehrlich mit sich selbst ist und aufrichtig seinen Interessen folgt, zieht es am Ende auch durch!

Gemischte Gefühle…

Auf der einen Seite ist jetzt pure Vorfreude auf das große Ereignis, vielleicht auf das bisher größte meines Lebens. Ich freue mich auf alles, was mich dort erwartet – die Leute, die Landschaft etc. Ich bin gespannt, welche neuen Seiten und Grenzen ich bei mir entdecke. Es wird interessant, ob ich es mental und körperlich schaffe. Auf der anderen Seite habe ich aber auch große Angst und Respekt. Es gibt einige Sachen, auf die ich mich nicht vorbereiten kann.

Eine große Unbekannte ist natürlich die Hitze und jene Dinge, die man wirklich braucht und tatsächlich mit in den Rucksack gehören.

Aber man hat mir gesagt, dass man sich nicht viel anders vorbereiten muss wie auf einem normalen Marathon.

„Das meiste bleibt Kopfsache!“

Katjas Vorbereitung sieht aktuell so aus:

Schrittweise nähere ich mich dem dreimonatigen Hardcore-Trainingsprogramm ab Januar. Es läuft auf eine Laufbelastung von ca. 400-450km pro Monat hinaus. Davon fünf bis sechs Tage laufen und an ein bis zwei Tagen Ausgleichssport wie Radfahren, Schwimmen oder Kraft bzw. ein Ruhetag. Ob das dann für den MdS reicht, weiß ich erst Mitte April 2018. Hauptsache die Gesundheit spielt mit.

Katja ist eine von 1000 Startern und wird dieses Abenteuer alleine angehen.

Ich hatte in meinem Bekanntenkreis von Anfang an gesagt, dass ich es allein machen möchte. Übrigens meinte man zu mir, dass am dritten Tag das wahre Ich zum Vorschein kommen soll. Naja, ich befürchte, dass ich eine ‚böse‘ meckernde Läuferin sein werde 😉

Katja wird den Lauf in einem Videotagebuch festhalten und im Anschluss mit uns teilen.

Da werden einige wieder köstlich lachen können…

Wir sind gespannt! Bis es soweit ist, wünschen wir Dir eine effektive Vorbereitung!

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